2005 Juni

Hans Hartung

2. Juni 2005 – 30. Juli 2005
In den Nachkriegsjahren entwickelt sich Paris zum Zentrum der gestisch-abstrakten Kunst. Deren Protagonisten Jean Fautrier, Pierre Soulages und Wols verstanden Malerei als Ausdruck ihrer Existenz nach 1945 und den daraus resultierenden liberalen geistigen Neuanfang.

Der in Paris lebende, deutschstämmige Hans Hartung verweigert sich, trotz seiner prägenden Erfahrungen während des Krieges, diesem Verständnis.
Im Rückgriff auf sein Oeuvre der 1930er Jahre überarbeitet und variiert Hartung ehemals entstandenes Bildmaterial: Zeichnungen und Skizzen werden auf andere Bildträger wie Holz und Leinwand übertragen, wobei er besonderen Wert auf die akribische Wiedergabe der in der improvisierten Vorlage enthaltenen Abweichungen und Zufälligkeiten legt , um den spontan-gestischen Eindruck zu bewahren.
In den späten 40er Jahren bevorzugt Hartung zunächst die Technik des Pastells, die ihm den Einsatz verschieden starker Linien und Striche, die sich expressiv und scheinbar automatisiert über die gesamte Bildfläche erstrecken, ermöglicht. Ab 1955 trägt er mit chinesischen Pinseln virtuos Tusche auf sepiafarbiges Papier auf und schafft in den folgenden drei Jahren fast 3000 “tachistische” Zeichnungen.
Nach 1960 ersetzt die Arbeit mit schnell trocknender Venyl- und Acrylfarbe, die mittels Pinsel, Schaber, Rolle, Besen und Bürste unmittelbar auf großformatige Leinwände und Karton aufgetragen und verändert wird, die Transformation der Zeichnungen aus den 1930er Jahren.

1973 übersiedelt Hans Hartung in sein Wohn- und Atelierhaus im südfranzösischen Antibes und lebt dort – zusammen mit seiner Frau, der Künstlerin Anna-Eva Bergman – bis zu seinem Tod 1989.

Hartungs Palette konzentriert sich auf wenige Farben: das von ihm favorisierte Schwarz wird mit kühlem Blau, Grau, Türkisgrün und Zitronengelb kombiniert, deren reine, strahlende, schwingende und befreiende Wirkung durch den Einsatz der Spritzpistole noch zu maximieren versteht.
Während sein Pinselduktus zwischen nervös-impulsiv und ruhig-reflektiert alterniert, begleitet seine Motivation, die seelischen Befindlichkeiten des Individuums gestalterisch zum Ausdruck zu bringen, sein gesamtes Schaffen.

Die Galerie Rieder präsentiert in ihrer aktuellen Ausstellung herausragende Arbeiten in Acryl und Mischtechnik auf Leinwand oder Karton, die zwischen 1960 und 1980 entstanden sind, sowie eine Reihe von Tuschzeichnungen ab 1955.


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