2007 März

GALERIE RIEDER


KÖPFE · KÖRPER

3. März – 5. Mai 2007

Die differenzierte subjektive visuelle Wahrnehmung der menschlichen Gestalt ist Gegenstand der neuen Ausstellung “Köpfe · Körper”. Ausgewählte Arbeiten von der klassischen Moderne bis zur Gegenwart zeigen die Bandbreite der künstlerischen Formensprache zu diesem Thema.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kreiert die Künstlervereinigung “Brücke” in der Auseinandersetzung mit dem tradierten akademischen Menschenbild eine expressionistische Malweise. Der Mensch, dargestellt als ein sich in harmonischer Natur frei bewegender Akt in vom Gegenstand losgelöstem Kolorit, ist für Erich Heckel, Hermann Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff Ausdrucksträger von Unmittelbarkeit und individuellem sinnlichen Erleben.

Der am Bauhaus lehrende Oskar Schlemmer unterwirft den menschlichen Körper einer strengen Ordnung aus Zahl, Maß und Gesetz mit linearer Konzeption. Er wird zum Schöpfer eines proportionierten Formenidols im klassischen Sinn: der Mensch ist das Maß aller Dinge und bildet die Schnittstelle zwischen Ratio und Mystik.

Alexej von Jawlenskys ab 1918 gestaltete Köpfe sind von Flächigkeit und suggestiver Farbe bestimmt. In den folgenden zwei Jahrzehnten reduziert er die religiös anmutenden, geometrischen Gesichtsausschnitte zu dunklen, auf einer Kreuzform basierenden “Meditationen” auf kleinformatigen Tafeln, die seine persönliche Seelenlandschaft und seine mystische Erfahrung widerspiegeln.

Ab 1960 arbeitet Horst Antes, inspiriert durch die Malerei von Willem de Kooning und die “Art Brut”, obsessiv an einer gnomhaften Kreatur mit menschlichen Zügen, dem “Kopffüßler”, der zum Prototyp seiner Kunst wird. Sowohl malerisch als auch bildhauerisch umgesetzt, dient er als verschlüsseltes Symbol seiner Gedanken und Emotionen.

Yves Klein entmaterialisiert durch die Verwendung seines 1956 patentierten Ultramarinblaues (IKB) Leinwände, Figuren und Alltagsgegenstände und lenkt die Konzentration des Betrachters vom Sehen auf die uneingeschränkte Wahrnehmung der monochromen Farbe mit symbolischem Inhalt: Blau steht für das Geistige und den zeitlich und räumlich unbegrenzten Kosmos.

Die Fotografien von Nan Goldin sind Zeugnis des gelebten und erlebten Augenblickes, des Rückzuges und Verlustes. Ihre sensibel geknüpften Beziehungen zu den Porträtierten und ihre eigene Biographie ermöglichen die schonungslose Offenheit, mit der verletzte oder ins Triviale verfremdete Gesichter und Körper ihren sozialen Auf- und Abstieg, den zugefügten psychischen und physischen Schmerz, zur Schau stellen.

Die menschliche Psyche und Existenz offenbaren sich in einer passiven und dennoch theatralischen Körpersprache und der androgynen Physiognomie der Eisen- und Bronzefiguren von Hanneke Beaumont. Sie übertragen individuelle und variierende Emotionen und implizieren das heroisch-poetische Moment der Selbstaufgabe und Verzweiflung – in stoischer Stille.

Im Oeuvre des Bildhauers Michael Croissant dominiert die Darstellung von Körpersäulen und Köpfen. Letztere sind aus Stahl oder Bronze geformte monolithische Blöcke und Kuben mit leicht konkaven und konvexen Wölbungen. In diesen Köpfen bleibt die Gedanken- und Gefühlswelt hermetisch verschlossen.

Die an der Leipziger Hochschule ausgebildete Annette Schröter thematisiert die entindividualisierte menschliche Figur. Der Körper entsteht aus dem Nebeneinandersetzen pastoser expressiver Pinselzüge und leuchtend kräftiger, Konturen bildender Farben und verwandelt sich durch ungewohnte Perspektiven wie Nah- und Unteransichten in eine groteske monumentale Erscheinung.

Zu sehen sind darüber hinaus Werke von Heinrich Campendonk, George Grosz, Emil Nolde, Pablo Picasso, Christian Rohlfs und Martin Paulus.


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